Was muss ein guter Coach können? Und was muss eine gute Coaching-Ausbildung den Teilnehmern beibringen?

| Ulrich Dehner
Coaching erschöpft sich nicht in reiner Reflexion! Wenn man die Wirksamkeit in Coachingprozessen optimal gestalten will, muss man als Coach auf drei Ebenen arbeiten können.

Diese drei Ebenen unterscheiden sich gewaltig, was die Anforderungen an den Coach betrifft. Wir wollen das an einem Beispiel veranschaulichen:

Die erste Ebene

Der Klient hat sich für ein Coaching entschieden, weil er mit seiner Work-Life Balance unzufrieden ist. Er kommt immer sehr spät aus der Firma, hat unglaublich viel zu tun und ist immer unter Druck. Während er schildert, wie sein Arbeitstag aussieht, wird sehr schnell deutlich, dass er jede Menge Rückdelegationen annimmt, die Probleme seiner Mitarbeiter löst und deren Arbeit zusätzlich zu seiner eigenen macht, weshalb er täglich Überstunden hat.

Bei der Arbeit auf der ersten Ebene reflektiert der Coach mit dem Klienten die Aufgaben einer Führungskraft und dessen systemisches Umfeld. Wenn der Klient verstanden hat, dass er keine Rückdelegationen akzeptieren darf und seine Aufgabe nicht ist, die Probleme der Mitarbeiter zu lösen, sondern die Mitarbeiter zu befähigen und dahin zu entwickeln, ihre Probleme selbst zu lösen, und er daraufhin sein Verhalten ändert, war das Coaching erfolgreich, herzlichen Glückwunsch.

Die Anforderung an den Coach ist: Er muss wissen, was Führung alles beinhaltet und er muss in der Lage sein, gemeinsam mit dem Klienten Rolle, Aufgaben und System zu reflektieren. Wenn der Klient das Besprochene in die Tat umsetzen kann, hat der Coach seinen Auftrag erfüllt.

Die zweite Ebene

In der nächsten Sitzung berichtet der Klient jedoch, dass er es versucht hat, sein Verhalten zu ändern, aber den Versuch wieder aufgegeben hat, weil er sich wie ein ganz unmöglicher Chef gefühlt hat, der seine Leute hängen lässt. Er sehe ein, dass das in der letzten Sitzung Besprochene richtig sei und er entsprechende Gespräche führen müsse. Doch, so meint er, er wisse nicht so recht, wie. Jetzt muss der Coach auf der Verhaltensebene arbeiten, damit der Klient lernt, wie der Klient seine Gespräche mit den Mitarbeitern so führen kann, dass sie ihre Probleme selbst lösen, ohne sich im Stich gelassen zu fühlen, sondern von ihm unterstützt. An diesem Punkt wird der Coach, wenn er gut ist, vorschlagen ein Rollenspiel zu machen. In den Rollenspielen erarbeitet der Coach mit dem Klienten wie er die Gespräche aufbaut, welche Punkte alle enthalten sein müssen, welche Worte er wählt – alles, damit die Mitarbeiter sich gut unterstützt fühlen. Wenn nötig, wird der Coach das Rollenspiel auch zwei- oder dreimal wiederholen, bis der Klient den sicheren Umgang damit gelernt hat.

Die Anforderung an den Coach ist: Er muss wissen, wie man ein Rollenspiel gestaltet und er muss als Modell fungieren können. Geht der Klient nun zufrieden in die Firma und bringt fortan kritische Gespräche souverän hinter sich, ist der Auftrag erledigt. Klient zufrieden, Coach zufrieden!

Diese beiden ersten Ebenen beherrschen die allermeisten Coaches. Doch was passiert, wenn der Klient trotz allem nicht umsetzt, was er gelernt und trainiert hat? Er berichtet nämlich in der dritten Sitzung, dass es ihn enorm stresst, wenn er nur daran denkt, dass er die Gespräche führen soll. Sein Magen verkrampft sich, der Schweiß bricht ihm aus, es macht ihm Angst, wofür er sich selbst dann auch noch beschimpft, denn solch ein Verhalten ist ja geradezu lächerlich, meint er.

Was macht in diesem Fall der Coach? Viele Coaches wissen dann nicht viel weiter, als die beiden vorangegangenen Prozeduren noch einmal zu wiederholen, genauso erfolglos wie beim ersten Mal, was bei beiden die Frustration erhöht. Oder sie schlagen dem Klienten gleich einen Besuch bei einem Psychotherapeuten vor.

Die dritte Ebene

Ein guter Coach hat gelernt, dass er in einem solchen Fall die Arbeit auf der dritten Ebene fortsetzen muss. Die dritte Ebene ist die Ebene der tieferliegenden Muster. Diese tieferliegenden Muster herauszuarbeiten und Techniken zu beherrschen, wie man sie auflöst, machen den wirklich guten Coach aus.

Die Anforderungen an den Coach sind: Fundierte psychologischen Kenntnisse, Beherrschung einiger Techniken aus der Transaktionsanalyse, Fähigkeit eine profunde Problemanalyse durchzuführen, mentales Training, Check-your-Mind-Methode, Auflösen blockierender Gedanken.

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