Jede Führungskraft sollte eine klare Zielvision haben. Doch dabei darf man nicht stehenbleiben. Sobald man sich ein Ziel gesetzt hat, sollte man sich auch fragen „Wie und woran könnte ich auf meinem Weg zum Ziel auch scheitern?“ Also befasst man sich auch mit den Hindernissen, die dem Erreichen dieses Zieles entgegenstehen, und zwar nicht den äußeren, sondern denen, die im eigenen Verhalten liegen. Oettingen nennt dieses Vorgehen „kontrastieren“ – man kontrastiert das Ziel mit den Möglichkeiten, wie die Sache schiefgehen könnte.
Wenn man zum Beispiel eine Umstrukturierung vorhat, wird einem möglicherweise beim Nachdenken über eigene innere Hindernisse klar, dass man vielleicht wichtige Leute nicht mit einbezieht oder die Mitarbeiter nicht im nötigen Umfang mitnimmt. Das schaut man sich anschließend genau an. Dann nimmt man vielleicht wahr, dass man einen Bereichsleiter dringend mit einbinden müsste – doch man zögert immer wieder, mit demjenigen einen Termin zu vereinbaren, weil man in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht hat. Wenn das ein Verhalten ist, das man von sich schon kennt, dass man Menschen, die einem unangenehm sind, eher außen vor lässt, kann man sich an einer Hand abzählen, dass sich das bei der geplanten Umstrukturierung rächen wird. Zur Zielvision der Umstrukturierung gehört also folgender „Wenn-Dann-Plan“: Wenn ich Schritt A, Planung der erforderlichen Maßnahmen, gemacht habe, dann folgt sofort Schritt B, ich werde den Bereichsleiter X anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Oder: Wenn ich klar habe, was diese Umstrukturierung für unsere Abteilung bedeutet, dann werde ich unverzüglich eine Session mit allen Mitarbeitern einberufen, um das anzukündigen. Auch, wenn ich mit Widerspruch oder Widerstand rechnen muss!
Verhaltensänderungen sind oft nicht ganz einfach, deshalb ist es immer gut, eine Unterstützung zu bekommen. In diesem Fall ist es eine App, die einem helfen kann, „Wenn-Dann-Pläne“ in die Tat umzusetzen. Die App nennt sich „woop“ (zu finden auf woopmylife.org), und ist kostenlos zu haben.
In allen möglichen Situationen zeigt sich, dass Menschen deutlich erfolgreicher sind, wenn sie mit Wenn-Dann-Plänen arbeiten, denn wir scheitern seltener an äußeren Widerständen als an unseren inneren. Und zum Schluss noch ein kurzer Hinweis darauf, wie wir auch unsere Sprache einsetzen können, um Stress zu reduzieren und zu besseren Ergebnissen zu kommen:
Mit Hilfe unserer Sprache können wir unser Selbstmanagement und Stressempfinden positiv beeinflussen. Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf hat die Wirkung des Gebrauchs unserer Sprache auf uns selbst erforscht. Es ist erstaunlich, wie häufig wir das Wort „müssen“ benutzen und welche Wirkung erzielt werden kann, wenn wir den Gebrauch des Wortes erheblich reduzieren. Aufgaben eher umformulieren in „Vorhaben“ und diese in internen und externen Dialogen nicht umsetzen „müssen“, sondern lieber Worte zu benutzen wie: Ich werde die Emails beantworten, dann möchte ich mich den Quartalszahlen widmen und dann darf ich meine Kinder abholen...“
Auch der richtige Gebrauch der Zeiten kann einen großen Einfluss auf die Gelassenheit bei der Erledigung von Aufgaben haben. So denken wir doch häufig „Ich muss noch die Präsentation fertigmachen, meinem Chef Zahlen für das Quartal zusammenstellen, meinen Flug für die Dienstreise nächsten Monat buchen, die Unterlagen für ein Meeting zusammenstellen, hierfür den Raum herrichten, usw.“
Ein solcher Gedankengang suggeriert unserem Gehirn, dass im Prinzip all diese Dinge gleichzeitig passieren sollten, und zwar jetzt sofort, da sie im Präsenz formuliert sind. Kein Wunder, dass wir uns da ganz schnell überfordert fühlen, obwohl vielleicht nur die Präsentation jetzt sofort gemacht wird, denn die Unterlagen können überhaupt erst in drei Tagen fertig gestellt werden, wenn alle Informationen der Kollegen beisammen sind und der Raum kann auch erst dann gerichtet werden, usw.
D.h. ein Gedankengang wie „Ich mache jetzt als erstes die Präsentation fertig, dann werde ich heute noch meinen Flug buchen. Morgen werde ich die Quartalszahlen aufbereiten und dann werde ich anfangen, die Unterlagen für das Meeting zusammenzustellen, usw.“ entstresst sofort und man kann die Punkte wesentlich gelassener nacheinander abarbeiten.