Embodiment in Krisenzeiten

Wie Erdung, Zentrierung und Aufrichtung Führung spürbar stärken

generiert mit ChatGPT und NanoBanana Pro

Die Nachricht kommt am späten Vormittag als kurze Information im Führungskreis: „Wir werden Arbeitsplätze abbauen müssen.“ Für einen Moment wird es still. Jemand räuspert sich. Ein Blick wandert zum Fenster. Eine Führungskraft zieht unmerklich die Schultern hoch. Der Atem wird flacher. Im Kopf beginnt sofort die nächste Schleife: Wie sage ich es meinem Team? Wie halte ich die Motivation aufrecht? Wie bleibe ich selbst handlungsfähig?

Noch bevor ein Wort gesprochen ist, hat der Körper längst reagiert. In solchen Momenten zeigt sich, wie eng Führung, Präsenz und Körper miteinander verbunden sind. Denn Emotionen und innere Haltungen finden ihren Ausdruck in der Körperhaltung, der Atmung und in manchmal kaum merklichen Veränderungen in der Muskelspannung. 

Nun müssen Führungskräfte in emotional angespannten Situationen Zuversicht transportieren, Klarheit und innere Stabilität vermitteln. Und genau dabei kann Embodiment den entscheidenden Unterschied machen.

Embodiment beschreibt den Zusammenhang zwischen Körper, Denken, Fühlen und Handeln. Es geht darum, dass unser Körper unsere innere Haltung beeinflusst und gleichzeitig sichtbar macht. Wer innerlich angespannt ist, zeigt das oft körperlich. Wer körperlich mehr Stabilität findet, kann dadurch auch innerlich mehr Zugang zu Ruhe, Klarheit und Handlungsfähigkeit bekommen. 

Präsenz entsteht im ganzen Körper

Körpersprache wird häufig vorschnell interpretiert. Verschränkte Arme gelten dann sofort als Abwehr. Ein Blick zur Seite wird als Unsicherheit interpretiert. Eine aufrechte Haltung wird automatisch mit Stärke verbunden. In der Praxis zeigt sich, dass es meist nicht ganz so einfach ist. Denn es gibt auch Menschen, die ihre Arme verschränken, weil ihnen kalt ist, weil es bequem ist oder weil diese Haltung körperlich entlastet. Entscheidend ist deshalb immer das Gesamtbild. Wie ist die Spannung in den Schultern? Wie wirkt der Atem? Wie ist der Stand? Wie beweglich bleibt die Person im Gespräch?

Gleichzeitig gibt es körperliche Grundmuster, die viel über unsere innere Befindlichkeit erzählen. Angst etwa aktiviert häufig die Beugemuskulatur. Der Körper zieht sich zusammen, wird runder, kleiner, geschützter. Das ist eine sinnvolle Schutzreaktion. Für Führungskräfte kann dies zugleich zur Herausforderung werden, weil eine solche Haltung eben Rückzug, Vorsicht und Anspannung zum Ausdruck bringt.

In Krisensituationen stehen Führungskräfte deshalb vor einer besonders delikaten Aufgabe. Sie müssen die Unsicherheit ihres Teams realistisch wahrnehmen und gleichzeitig eine Präsenz entwickeln, die Orientierung gibt. Und dabei übersehen die meisten die Möglichkeiten ihres eigenen Körpers.

Erdung gibt Stand

Das erste Prinzip ist Erdung. Wir verwenden dieses Wort auch im Alltag, wenn wir über souveräne Menschen sprechen. Jemand wirkt „geerdet“. Damit beschreiben wir oft mehr als eine innere Qualität. Wir nehmen auch körperlich einen stabilen Stand und eine ruhige Präsenz wahr.

Erdung beginnt bei den Füßen. Im Stehen bedeutet das, den Kontakt zum Boden bewusst zu spüren. Das Gewicht verteilt sich gut. Die Beine stehen leicht auseinander. Im Sitzen kann Erdung bedeuten, beide Füße bewusst auf den Boden zu stellen, besonders dann, wenn ein Gespräch anspruchsvoll wird.

Das klingt schlicht und gerade diese Schlichtheit macht diese Handlung so wirksam. Denn in schwierigen Momenten suchen viele Menschen unbewusst nach Halt in ihrem Kopf. Sie denken schneller, planen mehr und prüfen alle möglichen Folgen. Der Körper bietet einen anderen, schnelleren Zugang zu mehr „Bodenhaftung“. Wer den Boden wieder spürt, wird häufig auch innerlich wieder geerdeter und bringt sich zurück in die eigene Handlungsfähigkeit. Erdung heißt also: Ich bin da. Ich habe einen festen Stand. Ich kann souverän handeln. Mich bringt nichts so leicht aus dem Gleichgewicht. 

Zentrierung bringt die Aufmerksamkeit zurück

Das zweite Prinzip ist die Zentrierung. Auch dieses Wort kennen wir aus unserem Sprachgebrauch. Ein Mensch ist „in seiner Mitte“. Gemeint ist eine Qualität von innerer Sammlung. Die Aufmerksamkeit zerstreut sich weniger. Der Mensch wirkt verbunden mit sich selbst und zugleich ansprechbar für andere.

Körperlich liegt dieses Zentrum tief im Rumpf, im Bereich zwischen Bauchnabel, Becken, unterem Rücken und Schambein. Eine gute Verbindung dorthin entsteht oft über die Atmung. Gemeint ist weniger ein aktives Drücken des Bauches nach außen. Hilfreicher ist die Vorstellung, den Atem tief ins Becken fließen zu lassen.

Das verändert die Qualität der Präsenz. Die Stimme kann ruhiger werden. Der Blick wird weicher und klarer. Die Reaktion im Gespräch wird weniger hastig. Genau darin liegt für Führungskräfte ein wichtiger Wert. Die Zentrierung unterstützt die Fähigkeit, gleichzeitig bei sich und beim Gegenüber zu bleiben.

Gerade in angespannten Situationen ist das entscheidend. Denn Mitarbeitende orientieren sich nicht nur an den Worten ihrer Vorgesetzten. Sie orientieren sich auch daran, inwieweit eine Führungskraft in Druckmomenten präsent bleibt.

Aufrichtung schafft Raum

Das dritte Prinzip ist Aufrichtung. Viele Menschen verbinden Aufrichtung mit Körperspannung: Brust raus, Schultern zurück, Bauch fest, Haltung kontrollieren. So entsteht schnell Steifheit. Eine wirksame Aufrichtung fühlt sich anders an. Sie ist wach, flexibel und lebendig.

Hilfreich ist die Vorstellung, sich vom höchsten Punkt des Kopfes sanft nach oben aufspannen zu lassen. Der Körper richtet sich wie selbstverständlich auf, ohne dabei hart zu werden. Die äußere Muskulatur muss dafür nur wenig leisten. Die Haltung wird präsenter und zugleich beweglicher.

Diese Qualität ist in vielen Führungssituationen wertvoll, denn sie verbindet Klarheit mit Offenheit. Eine aufgerichtete Person nimmt den Raum ein und bleibt dabei erreichbar. Sie wirkt wach, ohne Druck aufzubauen. Sie zeigt Präsenz, ohne Dominanz auszustrahlen.

So wirken alle drei Prinzipien zusammen: Die Erdung gibt Standfestigkeit. Die Zentrierung führt zu innerer Sammlung. Und mit der Aufrichtung nehmen Sie den Raum ein. Daraus entsteht eine körperliche Basis, aus der heraus Führung ruhiger und wirksamer werden kann.

Eine einfache Übung für mehr Präsenz

Eine Übung, die diese drei Prinzipien verbindet, arbeitet mit dem folgenden Bild: Stellen Sie sich vor, Sie stehen barfuß an einem Sandstrand. Der Sand ist nass. Sie stehen direkt an der Wasserkante. Eine leichte Brise weht. Das Meer ist ruhig.

Mit jedem Einatmen kommt eine kleine Welle auf sie zu und umspielt sanft Ihre Knöchel. Mit jeder Ausatmung zieht sich das Wasser wieder zurück. Sie spüren, wie Ihre Füße allmählich tiefer in den Sand einsinken. Besonders an den Fersen gibt der Boden nach. Das Becken kann sich leicht aufrichten. Der Atem findet mehr Tiefe. Der Körper kommt in eine natürliche Aufrichtung.

Dieses Bild hilft vielen Menschen, eine andere Form von Präsenz zu erleben. Diese Art von Präsenz fühlt sich weniger kontrolliert oder künstlich an. Sie wirkt natürlicher und fühlt sich daher mehr wie „getragen“ an.

Vor einem schwierigen Meeting, einem wichtigen Gespräch oder einer Entscheidung unter Druck kann diese Übung ein kleiner Anker sein. Sie dauert nur wenige Minuten. Gleichzeitig erinnert sie den Körper an etwas Wesentliches: Ich habe stabilen Boden unter den Füßen. Ich habe meine Mitte gefunden. Ich stehe aufrecht. 

Führung in Krisenzeiten beginnt damit oft einen Moment früher als gedacht: vor der Strategie, vor der Suche nach den richtigen Worten und vor dem eigentlichen Krisengespräch. Sie beginnt damit, einen festen Stand einzunehmen, mit dem Atem die eigene Mitte zu finden und mit der körperlichen Aufrichtung, die Sie auch während des Gesprächs halten können. Probieren Sie es einfach mal im nächsten Meeting aus.

Wenn Sie mehr Impulse für Führungskräfte, Business-Talk, Management-Input und Gedanken suchen, die Unternehmen für die Zukunft stärken, dann hören Sie gerne in den Business-Podcast von Alice Dehner rein.



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