Was bedeutet Passung bzw. ein Fit?
Wenn wir von „Passung“ oder „Fit“ sprechen, geht es nicht darum, ob jemand die fachlichen Anforderungen erfüllt. Vielmehr geht es um eine Übereinstimmung zwischen den individuellen Werten, Zielen und Fähigkeiten einer Person und den Anforderungen sowie der Kultur des Unternehmens. Der sogenannte „Person-Environment-Fit“ beschreibt genau dieses Gleichgewicht. In diesem Modell, das auf Caplan und Harrison zurückgeht, geht es um die Passung zwischen den Ressourcen, über die eine Person verfügt, und den Anforderungen, die durch die Tätigkeit an sie gestellt werden. Aber es geht auch darum, ob die Merkmale der Tätigkeit den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeitenden entsprechen. Fehlt diese Balance, spricht man von einem Misfit, der sowohl auf individueller als auch auf organisatorischer Ebene spürbare Folgen hat.
Die Dimensionen des Person-Environment-Fit-Modells
Das Modell des Person-Environment-Fit wurde ursprünglich entwickelt, um die Entstehung von Stress zu erklären. Heute zeigt es eindrucksvoll, wie stark die Passung zwischen Mensch und Job sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch den Unternehmenserfolg beeinflusst. Es unterscheidet verschiedene Dimensionen, die alle für den Arbeitsalltag relevant sind:
- Person-Job-Fit
Die Passung zwischen den Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen einer Person und den Anforderungen des Jobs. Hier geht es auch darum, wie Belohnungen und Anerkennung innerhalb des Jobs gestaltet sind. - Person-Organization-Fit
Die Passung zwischen den Werten, Zielen und der Kultur einer Person und denen des Unternehmens. Hier spielen Unternehmenskultur und gemeinsame Werte eine entscheidende Rolle. - Person-Group-Fit
Die Passung zwischen einer Person und den Teammitgliedern, mit denen sie direkt zusammenarbeitet. Eine harmonische Zusammenarbeit im Team ist essenziell für den Erfolg. - Person-Supervisor-Fit
Die Passung zwischen einer Person und ihrer direkten Führungskraft. Das Verhältnis zur Führungsebene ist entscheidend für die Motivation und das Engagement.
Die Auswirkungen eines hohen Fits
Ein hoher Fit zwischen Person und Arbeitsumfeld führt zu zahlreichen positiven Effekten. Zunächst einmal steigt die Arbeitszufriedenheit. Mitarbeitende fühlen sich wohler, sind motivierter und engagierter, was sich direkt auf ihre Leistung und Produktivität auswirkt. Sie zeigen eine größere Bereitschaft, sich in ihre Aufgaben einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Zufriedenheit schlägt sich nicht nur auf individueller Ebene nieder, sondern trägt auch zu einer harmonischeren Teamdynamik bei. Teams mit hohem Fit arbeiten effektiver zusammen, es entstehen weniger Konflikte, und auftretende Probleme werden konstruktiv gelöst.
Auch auf organisatorischer Ebene hat der Fit große Vorteile. Mitarbeitende, die mit ihrer Rolle, ihrem Team und dem Unternehmen im Einklang sind, haben weniger Gründe, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen. Eine hohe Mitarbeiterbindung senkt somit die Fluktuation, was wiederum die Kosten für die Suche und Einarbeitung neuer Mitarbeitender erheblich reduziert.
Was auf einen Misfit folgt
Ein Misfit hingegen kann auf vielen Ebenen problematisch sein. Auf individueller Ebene sinkt die Arbeitszufriedenheit, die Motivation schwindet, und das Engagement im Unternehmen nimmt ab. Gleichzeitig steigt der empfundene Stress, was sich negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirkt. Ein Misfit führt häufig zu einem Gefühl der Überforderung, das nicht aus mangelnder fachlicher Kompetenz, sondern aus der fehlenden Übereinstimmung mit der Arbeitsumgebung resultiert. Langfristig kann dies zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie Burnout führen.
Auch auf Unternehmensebene sind die Auswirkungen eines Misfits spürbar. Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden sinkt, die Fehlerquote steigt, und es kommt vermehrt zu Fehlentscheidungen. Besonders gravierend sind die Folgen für die Teamdynamik. Schon ein einzelner Misfit innerhalb eines Teams kann den Zusammenhalt und die Effizienz des gesamten Teams beeinträchtigen. Wenn sich diese Problematik über mehrere Bereiche eines Unternehmens hinweg ausbreitet, kann dies die gesamte Unternehmenskultur negativ beeinflussen.
Wie lässt sich der Job-Fit verbessern?
Die Frage, wie eine möglichst hohe Passung zwischen Mitarbeitenden und Job erreicht werden kann, beschäftigt nicht nur HR-Abteilungen, sondern auch Führungskräfte. Es ist wichtig, über den Einstellungsprozess hinaus immer wieder zu reflektieren, wie gut der Fit zwischen Mitarbeitenden und ihren Aufgaben tatsächlich ist. Regelmäßige Gespräche und Workshops können dabei helfen, potenzielle Misfits frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Auch Coachings spielen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung des Fits. In solchen Prozessen wird nicht nur die inhaltliche Herausforderung des Jobs reflektiert, sondern auch die Passung auf Werteebene und die Arbeitsweise im Team beleuchtet. Häufig lassen sich durch gezielte Maßnahmen, wie z.B. ein besseres Verständnis der Unternehmenskultur oder die Anpassung von Arbeitsweisen, signifikante Verbesserungen erzielen.
Eine gute Passung als Schlüssel zu Erfolg und Zufriedenheit
Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus einem meiner Coachings: Eine junge Führungskraft stand nach einem Sabbatical vor der Entscheidung, entweder zu ihrem ursprünglichen Unternehmen zurückzukehren oder ein sehr gut dotiertes Angebot eines externen Unternehmens anzunehmen. Im Laufe eines Coachings wurde klar, dass die Werte des externen Unternehmens nicht mit ihren eigenen übereinstimmten. Obwohl das Angebot finanziell attraktiv war, entschied sie sich für das Unternehmen, in dem sie bereits vor dem Sabbatical tätig war, da die Werte dort besser zu ihren Vorstellungen passten. Der Fit auf Werteebene ist oft entscheidend für die langfristige Zufriedenheit.
Die Passung zwischen Mitarbeitenden und ihrem Job ist in einem Umfeld starker Konkurrenz in Bezug auf qualifizierte Fachkräfte von zentraler Bedeutung. Ein hoher Fit steigert nicht nur die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeitenden, sondern trägt auch zur langfristigen Mitarbeiterbindung bei und senkt die Fluktuationsrate. Umgekehrt kann ein Misfit zu Stress, gesundheitlichen Problemen und hohen Kosten für das Unternehmen führen. Der Schlüssel liegt darin, den Fit kontinuierlich zu überprüfen und zu optimieren – durch regelmäßige Gespräche, Workshops und Coachings. Denn nur, wenn Menschen und Aufgaben wirklich zueinander passen, können sie ihr volles Potenzial entfalten.
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