Die Herausforderung für die Hummeln jedenfalls bestand darin, dass sie eine Belohnung erreichen mussten, die sich auf einer erhöhten Plattform befand, wohin sie jedoch nicht direkt gelangen konnten. Ähnlich wie wir, wenn wir einen Gegenstand aus einem zu hohen Regal- oder Schrankfach nehmen wollen und deswegen zu einer Leiter oder einem Stuhl greifen, mussten die Hummeln ein Objekt finden und es an die richtige Stelle legen, um die Erhöhung zu erhalten, die es ihnen ermöglichte, an die Belohnung zu kommen. Die finnischen Forschenden machten die Sache für die Hummeln sogar noch schwerer, indem sie den direkten Blick auf die Belohnung an manchen Stellen verstellten, sodass die Hummeln sie gar nicht dauernd sehen konnten. Trotzdem arbeiteten sie gezielt an der Lösung ihres Problems, die Belohnung zu erreichen. Auch das überfordert viele von uns ach so klugen Menschen – die Schokolade jetzt oder das Kilo weniger in einem Monat stellt für viele schon ein unlösbares Problem dar. Gar nicht zu reden davon, dass jeder Raucher weiß… naja, Sie wissen jetzt schon, worauf ich hinauswill, da muss ich die Klimakatastrophe gar nicht mehr erwähnen.
Die Fähigkeit zur Vorausplanung gilt in der Verhaltensforschung als besonders anspruchsvoll, denn anders als beim Lernen durch Versuch und Irrtum, setzt Vorausplanung voraus, dass man eine zukünftige Situation berücksichtigt und das eigene Verhalten danach richtet. Bei den Menschen zählt diese Fähigkeit als grundlegender Bestandteil intelligenter Problemlösung. Nun hat der durchschnittliche Mensch 86 Milliarden Nervenzellen in seinem Hirn (nicht, dass sie ihm immer was nützen würden, siehe oben…), das Gehirn einer Hummel umfasst jedoch weniger als eine Million Nervenzellen. Wie also macht die Hummel das mit der Vorausplanung? Und was sagt uns das über die menschliche Intelligenz?
Klaus Taschwer, dessen Beitrag in „derstandard“ vom 7.6.26 ich diese Informationen entnommen habe, schreibt dazu: „Dass ein Tier mit einem Gehirn von Stecknadelkopfgröße Aufgaben bewältigen kann, die ein gewisses Maß an Zukunftsorientierung erfordern, stellt jedenfalls grundlegende Annahmen über Intelligenz infrage.“ Vor allem die von, sagen wir mal nur so als Beispiel, US-amerikanischen Politikern, deren Namen wir unerwähnt lassen wollen, deren Vakuum zwischen den Ohren allerdings noch nicht einmal auf ein Stecknadelkopfgroßes Hirn hoffen lässt. Anders kann man sich den Iran-Krieg jedenfalls nicht erklären.
Eine etwas weit hergeholte Erklärung für die Leistungen der Hummeln könnte sein, dass es tatsächlich, wie von manchen Menschen postuliert, eine Art übergeordnete, weltumspannende, höhere Intelligenz gibt, auf die die Verhaltensweisen der Hummeln, Ameisen, Bienen, Vögel, Oktopussen und anderen Tiere, deren intelligente Leistungen uns staunen lassen, zurückgehen. Ich zweifle allerdings ein bisschen: Wenn es diese höhere Intelligenz tatsächlich geben sollte, die allen Lebewesen grundsätzlich zur Verfügung steht, fragt man sich doch unwillkürlich, weshalb bei so vielen menschlichen Zeitgenossen ganz offenbar die Anschlüsse defekt sind. Haben Sie darauf eine Antwort? Bitte melden! Oder legen wir das mit der höheren Intelligenz doch einfach ad acta? Eines ist jedenfalls klar: eine Verhaltensweise oder gar einen Menschen als „hummeldumm‘“ zu verunglimpfen, können wir getrost bleiben lassen. Eher könnte man sich schon vorstellen, dass eine Hummel die andere anbrummt: „Du bist echt so blöd wie ein Mensch!“