Was sind schon Füchse, Wildschweine oder andere Wildtiere in vorwiegend zu menschlichem Gebrauch gedachten Ansiedlungen im Vergleich zu massenhaft vorkommenden Wildpinklern besonders in bei Touristen beliebten Städten? Welche Vergrämungsmaßnahmen verärgerte Anwohner dagegen unternehmen, dieses Thema wird, vor allen Dingen in Saure-Gurken-Zeiten, immer mal wieder in Zeitungen aufgegriffen. Leider wird auch deren Vergeblichkeit herausgestrichen. Wildpinkler sind offenbar nicht auszurotten. Im Gegensatz zu Füchsen, Mardern, Dachsen und Wildschweinen, die von Rechts wegen in den Wald gehören, sind Wildpinkler jedoch auch in der freien Natur nicht wohlgelitten.
Doch was soll man machen? Auch in Feld, Wald und Flur kommt einen ein menschliches Rühren an, vor allem wenn man länger unterwegs ist – Wanderungen, die nur eine knappe Stunde dauern sind unergiebig, weil sie selten zum Ziel führen - und es hat halt nicht jeder ein tragbares Dixie-Klo dabei. Das Wildpinkeln birgt jedoch ungeahnte Gefahren!
Ein erschütternder Bericht, der Anfang Mai im hiesigen „Südkurier“ zu lesen war, sollte auch Menschen, die nicht das Glück haben, in unserer schönen Region zu leben, nicht vorenthalten werden und nach Möglichkeit aufrütteln. Gewarnt wird darin eindringlich vor einem leider weithin noch unbekannten Schädling – wie viele Opfer bislang auf sein Konto gehen, ist bedauerlicherweise noch nicht aussagekräftig wissenschaftlich erforscht. Auch die Behörden hüllen sich in Stillschweigen – wahrscheinlich ist ihnen das behördliche Versagen in diesem Fall mal wieder zu peinlich. Schon längst hätte eindringlich vor dem Steingrauen Schniedelschnapper, mit wissenschaftlichem Namen Beißeri edelteilensis, gewarnt werden müssen! Das Reptil, das über Flügel und Klauen verfügt, scheint extrem gefährlich zu sein und lauert nur so auf Beute. Wieso schweigt die Obrigkeit?
Aber beginnen wir von vorn. Ganz in unserer Nähe gibt es, mit Blick auf den See, ein landschaftliches Kleinod namens „Marienschlucht“. Da es vor vielen Jahren einen Erdrutsch oder so gab, vielleicht auch daraus folgend einen oder mehrere Unfälle, so genau erinnere ich mich nicht mehr, war die Marienschlucht elf (!) Jahre lang gesperrt, um sie sicher und besuchertauglich auszubauen. Nun wurde sie mit großem Trara wieder zum Wandern freigegeben, gefühlt einen Monat lang berichtete die hiesige Presse täglich darüber, jeder Parkplatz in näherer und weiterer Umgebung wurde mit Vor- und Nachnamen vorgestellt und allenthalben gab es ein Jauchzen und Frohlocken.
Bis die ersten Menschen tatsächlich durch diese Naturschutzgebiet wanderten und voller Überraschung merkten, dass sie auch in dieser herrlichen Umgebung nicht frei von Bedürfnissen waren, die man nicht ewig unterdrücken kann. Und dreizehn Kilometer, so lange ist der Weg durch die Schlucht, können sich ganz schön hinziehen. Da die Behörden in elf Jahren zu keinem sinnvollen Klo-Konzept gefunden haben, weshalb einfach gar nichts angeboten wurde, ergriffen mutige Menschen nun selbst die Initiative und richteten an einigen Stellen den sogenannten „Brunzi-Point“ ein, auf den mit einem blauen Schild, das ein pinkelndes rotes Männchen zeigt, hingewiesen wird. Die ganze Aktion nennt sich „Pinkeln und den See treffen“ und will verhindern, dass es zu „exzessivem und völlig unkontrollierten Wildpinkeln kommt…“ und damit zu starken Schäden für Fauna und Flora. „Mit der Einführung von Brunzi-Points wollen wir Ihren Harndrang in geordnete Bahnen lenken“, so das löbliche Ansinnen der Akteure, denn, so führen sie auf ihrer Warntafel weiter aus, wer sich stattdessen im Unterholz erleichtert läuft Gefahr, Opfer des oben schon genannten Steingrauen Schniedelschnappers zu werden. Und mit „Beißeri edelteilensis“ ist nicht zu Spaßen!
Leider, das muss man kritisch anmerken, wurden mal wieder die Männer bevorzugt behandelt! Es geht einfach nicht richtig vorwärts mit der Gleichberechtigung! Die Brunzi – Points stellen eine ausschließlich für Steh-Pinkler geeignete Lösung vor – an Frauen wurde mal wieder nicht gedacht. Trotzdem sollte man darüber nachdenken, ob nicht durch geeignete Maßnahmen der Steingraue Schniedelschnapper auch in Städten angesiedelt und heimisch gemacht werden kann, denn da ist das Problem ja wohl hauptsächlich männlich.