Doch ein großer Teil unseres Alltagsstress entsteht anders. „Früher hatte ich ganz viele Probleme, kaum eines davon ist eingetroffen“. Dieses Zitat von Mark Twain beleuchtet eine Erfahrung, die viele Menschen kennen. Man leidet nicht nur unter dem, was tatsächlich passiert, sondern oft vor allem unter dem, was passieren könnte. Und diese Vorstellungen, was alles passieren könnte, die stressen uns ganz gewaltig! Es sind die täglichen Horrorfilme, die wir in unserem Hirn abspielen, die die Gedanken zum Kreiseln bringen, den Puls steigen lassen, den Körper verspannen und den Nachtschlaf rauben.
Aus der schwierigen Mail im Postfach lesen wir heraus: „Ich bin bestimmt nicht gut genug.“ Von dem möglicherweise unangenehmen Termin, der uns bevorsteht, erwarten wir: „Das geht sicher schief.“ Und von der langen To-Do-Liste wissen wir: „Das schaffe ich nie im Leben.“
Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass Überforderung eingebildet wäre – es gibt sie. Unser Alltagsleben hält Herausforderungen bereit, die frühere Generationen nicht kannten. Zu viele Aufgaben, Konflikte, auch finanzielle Sorgen oder zu wenig Erholung können einen sehr belasten. Aber zwischen einer schwierigen Situation und innerer Panik mit dem Gefühl, dem nicht (mehr) gewachsen zu sein, liegt oft ein entscheidender Punkt: unsere Bewertung. Den inneren Horrorfilm, den unsere Gedanken erschaffen, abzuschalten, öffnet den Raum für hilfreiche, nüchterne Fragen: Was ist jetzt, in diesem Moment, tatsächlich los? Was weiß ich wirklich, und was male ich mir nur aus?
Wenn man rational über eine Situation nachdenkt, bedeutet das nicht, sie kleinzureden, sondern Realität und Befürchtung voneinander zu trennen. So kann aus einem belastenden Gefühl von Bedrohung wieder eine konkrete Frage werden: Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Wir können Gedanken, die auftauchen, nicht verhindern. Aber wir können lernen, sie ihrem wahren Wert nach einzuordnen und dadurch erkennen, dass sie möglicherweise nur Drehbücher sind für Katastrophen, die nie eintreten. Genau da setzt Stress-Coaching an: statt hilflos dem Stress ausgeliefert zu sein, lernt man, den inneren Horrorfilm abzuschalten und dadurch Souveränität und Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
Stressmanagement ist was für den Moment – gutes Stresscoaching hilft dauerhaft
Man macht Atemübungen, man joggt regelmäßig, macht Entspannungsübungen, alles, was das Stressmanagement empfiehlt, und trotzdem kommt der Stress mit all seinen negativen Begleiterscheinungen immer wieder?
Der Grund: Stressmanagement und Stresscoaching sind zwei völlig verschiedene Ansätze. Während das eine nur kurzfristig entlastet, hilft der andere, dauerhaft nicht mehr in Stress zu geraten.
Stressmanagement lässt sich mit einem Feuerlöscher vergleichen – es greift ein, wenn der Stress schon spürbar ist. Es hat zum Ziel, den aktuellen Stresslevel zu senken, und zwar sofort. Hilft auch oft genug, das ist gut. Das Problem dabei, es hilft nur vorübergehend. Sobald der nächste Stressor kommt, beginnt der Kreislauf von vorne. Denn Stressmanagement behandelt nur die Symptome, nicht die Ursache.
Stresscoaching heißt, die Wurzel des Problems packen
Stresscoaching fragt: „Warum gerate ich überhaupt in Stress?“ Denn trotz aller vielen Arbeit, belastenden Umständen, nervigen Zeitgenossen: Stress kommt für gewöhnlich nicht von außen, sondern entsteht in uns selbst – durch innere Alarme, die losgehen, wenn sie durch etwas von außen getriggert werden.
Der erste Schritt im Stresscoaching ist deshalb, die inneren Alarme zu löschen. Introvision ist eine Methode, die bewiesen hat, dass das funktioniert. Stresshormone werden, vereinfacht gesagt, von der Amygdala ausgeschüttet. Denn sie schlägt Alarm, wenn sie eine Bedrohung wahrnimmt, das gehört zu ihren Aufgaben. Mit Hilfe von Introvision lassen sich die meist unbewussten Trigger identifizieren, die dafür sorgen, dass innere Alarme ausgelöst werden, selbst wenn die „Bedrohung“, die dafür verantwortlich ist, nur noch als Erinnerungsspur in unserem Gehirn vorhanden ist. Introvision stellt auch den Weg zur Verfügung, wie diese Alarme dauerhaft gelöscht werden können. Ohne Trigger kein Stress, man kann wieder souverän und ruhig reagieren.
Zu einem guten Stresscoaching gehört auch noch ein zweiter Schritt, die eigene Organisation zu optimieren. Denn selbst ohne innere Alarme kann Stress entstehen, wenn wir überfordert sind. Menschen können Stress erleben, nicht weil sie zu viel Arbeit haben, sondern weil sie schlecht organisiert sind. Zur schlechten Organisation zählen zum Beispiel:
Der Versuch von Multitasking – längst nachgewiesen, dass es nicht funktioniert.
Keine klaren Prioritäten zu setzen – der Königsweg, sich zu verzetteln.
Fehlende Planungsphasen – ebenfalls gut, um sich zu verzetteln und in Zeitnot zu geraten.
Keine Pufferzeiten einzuplanen – wie soll da konzentriertes Arbeiten gelingen?
Stresscoaching dient dazu, Arbeitsabläufe zu optimieren, E-Mail-Fluten zu bändigen, realistische Pläne zu erstellen – und das alles, bevor der Stress entsteht.