Vom erlernten Wissen zum gelebten Verhalten

Wie Coaching Führung im Alltag stärkt

© Uwe Klössing | Ben Schulz & Partner

Thomas hat im Führungskräfte-Training gelernt, wie er ein Mitarbeitergespräch gestalten kann. Das Modell für Feedbackgespräche klang für ihn einleuchtend. Er hat es im Rollenspiel ausprobiert und gesagt bekommen, was noch holprig war. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er diese Technik im Führungsalltag einsetzt? 

Ich würde erwarten, dass es eine Menge Überwindung kostet, mit dieser Erfahrung im Rücken, loszulaufen und die Methodik „im echten Leben“ auszuprobieren. Sollen wir deshalb auf Führungskräfte-Trainings verzichten? Keineswegs. Die eigentliche Frage muss meines Erachtens lauten, was Führungskräfte benötigen, damit aus dem theoretischen Wissen gelebte Führungspraxis wird.

Führungstrainings vermitteln in jedem Fall wertvolles Handwerkszeug. Damit eine Führungskraft dieses Wissen für sich nutzen kann, braucht sie Gelegenheit, neue Verhaltensweisen einzuüben und Souveränität darin zu gewinnen. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die eigene Haltung. Coaching verbindet konkretes, individuelles Trainieren mit persönlicher Reflexion.

Sicherheit wächst durch begleitetes Trainieren

Kehren wir zu dem Feedbackgespräch zurück. Was würde sich verändern, wenn Thomas nach der ersten Rückmeldung gleich noch einmal üben könnte? Mit einem Coach an seiner Seite, der ihn dabei unterstützt, das neue Vorgehen weiter zu erproben.

Die Rückmeldung wäre dann der Ausgangspunkt für den nächsten Versuch. Die Führungskraft könnte aufgreifen, was sie erlebt hat, und erneut ausprobieren, wie sie das Gespräch gestalten möchte. Dabei richtet sich die Begleitung danach, wo sie gerade steht und welche Unterstützung sie noch braucht.

Auf diese Weise können sich Führungskräfte sukzessive ein neues Verhalten aneignen und ihre Führung weiter professionalisieren. Durch wiederholtes Erproben kann etwa das gelernte Gesprächsmodell Teil der eigenen Kommunikationsfähigkeit werden, denn die Führungskraft versteht zunehmend besser, was sie im Gespräch tut und welche Wirkung ihr Verhalten hat.

Die eigene Haltung verstehen

Beim Üben kann zugleich deutlich werden, wie sehr die eigenen Überzeugungen das Verhalten beeinflussen und inwieweit sich eine neue Vorgehensweise stimmig anfühlt. Wie passt dieses Verhalten zu meinem Führungsverständnis? Welche Werte möchte ich im Umgang mit Mitarbeitenden zum Ausdruck bringen?

Im Coaching gehen wir diesen Fragen nach. Dabei geht es auch um Glaubenssätze, also persönliche Überzeugungen, die unser Denken und Handeln prägen. Sie können neue Verhaltensweisen unterstützen oder deren Anwendung erschweren. Deshalb ist mir wichtig, diese Ebene einzubeziehen. Wer die eigenen Überzeugungen besser versteht, kann bewusster entscheiden, wie er führen möchte. So lässt sich das Gelernte mit der persönlichen Entwicklung verbinden.

Unternehmenswerte im Alltag erlebbar machen

Eine so persönliche Auseinandersetzung reicht in die gesamte Organisation hinein, da die Führungskräfte prägend sind, wie Teams eine Unternehmensstrategie umsetzen und wie Unternehmenswerte im täglichen Miteinander erfahrbar werden.

Für unser Beispiel vom Feedbackgespräch bedeutet das, auch die Werte des Unternehmens mitzudenken: Wie zeigen sie sich darin, wie ich Rückmeldung gebe und meinem Gegenüber zuhöre? Was möchte ich selbst vorleben? Coaching kann Führungskräfte darin unterstützen, darauf eigene Antworten zu finden und ihre Kommunikation bewusster zu gestalten. Die Arbeit an der eigenen Führung wird damit zu einem Beitrag zur Unternehmenskultur.

Entwicklung im Unternehmen verankern

Für Unternehmen lässt sich dieser Ansatz direkt in die Führungskräfteentwicklung integrieren. Coachingsequenzen im Training geben Gelegenheit, an individuellen Fragen weiterzuarbeiten. Kollegiales Coaching in kleinen Gruppen, auch Peer-Coaching genannt, schafft Raum für die Themen der Teilnehmenden. Ergänzende Einzelcoachings ermöglichen eine persönliche Begleitung.

Entscheidend ist für mich, dass die Entwicklung bis in die Anwendung hinein begleitet wird. Denken wir an die Führungskraft aus unserem Beispiel: Thomas braucht die Gelegenheit, das Feedbackgespräch so weit zu erproben, dass er sich den nächsten Schritt im Alltag zutraut. Zugleich darf er herausfinden, wie er das neue Vorgehen mit seiner Haltung verbindet. Daraus kann eine Klarheit entstehen, die er ins nächste Gespräch mitnimmt.

Mehr darüber, wie Coaching Führungskräfte auf diesem Weg unterstützt, erfahren Sie in der Folge zum Coaching von Führungskräften im dehner Business-Podcast.

 


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