Embodiment im Coaching – wofür ist das gut?

| Alice Dehner
Der Mensch ist ein komplexes Geschöpf, weder nur Kopf, Geist, Verstand, noch nur Körper, Herz, Gefühl. Alles wirkt zusammen. Wenn es gutgeht – aber auch wenn es schlecht geht. Deshalb ist es für das Bewältigen mancher Probleme gut oder sogar unerlässlich, wenn alle Ebenen zusammenwirken. Coaches, die etwas von Embodiment verstehen, sind deshalb im Vorteil, wenn es darum geht, ihre Klienten auch auf der körperlichen Ebene zu unterstützen. Warum, das wird im folgenden Beitrag beschrieben.

In über siebzig wissenschaftlichen Studien, die in Europa und Amerika durchgeführt wurden, wurde eindeutig nachgewiesen, dass das motorische System, also Körperhaltung, Bewegungsmuster und Mimik, Verhalten und Gefühle beeinflusst. Das heißt, nicht nur psychische Verfassung und Geisteshaltung wirken sich auf der Körperebene aus – das ist das, was jeder kennt: Wenn man sich schlecht fühlt oder traurig ist, tänzelt man nicht mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Straßen, sondern man lässt den Kopf hängen und bewegt sich, als hingen schwere Gewichte an einem.

Sondern es funktioniert eben auch umgekehrt! Wenn man sich körperlich neu ausrichtet, wird dadurch die innere Haltung, die Psyche in eine andere Verfassung gebracht. Psychologie-Professor Johannes Michalak, der zu diesem Thema, wie viele andere, geforscht und nun eine Übersichtsstudie herausgebracht hat, erklärt das so: „Zwischen motorischen und emotionalen Prozessen existieren höchstwahrscheinlich enge Wechselwirkungen. Es gibt in der Psychologie Modelle, die besagen, dass Emotionen in Netzwerken organisiert sind. Darin sind verbale Informationen, die mit einer fröhlichen oder einer traurigen Stimmung assoziiert sind, abgespeichert, aber auch bestimmte Bilder und motorische Prozesse. Wenn man einen Knoten in diesem Netzwerk aktiviert, also einen Knoten, der körperliche Aspekte repräsentiert, etwa durch eine bestimmte Sitzhaltung, dann breitet sich diese Aktivierung im gesamten Netzwerk aus.“

Professor Michalak hat in einer Studie mit psychisch gesunden Menschen auch herausgefunden, wie sich Gangmuster auswirken. Dabei hat er festgestellt, dass Menschen die eher „depressiv“ gehen, also eher zusammengesunken schlurfen, dazu neigen, sich vermehrt negative Informationen zu merken, während Menschen, die gezielt dynamischer, „fröhlicher“ gehen, eher positive Dinge im Gedächtnis behalten.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf „gezielt“ – denn das bedeutet, dass man durch willentliche Veränderung der Bewegungsmuster Einfluss auf das eigene Verhalten ausüben kann. Alles, was im Verstand passiert, jeder mentale oder gefühlsmäßige Prozess findet in ständiger Wechselwirkung mit dem Zustand des Körpers statt. Das heißt auch: Jeder Körperausruck, jede körperliche Haltung, jede Anspannung im Körper ist auch eine Repräsentation dessen, was im Kopf passiert.

Wenn ein Coach gelernt hat, auch auf solche Anzeichen bei seinen Klienten zu achten, erhält er nützliche Hinweise, wie er die Klienten noch besser unterstützen kann. Besonders hilfreich ist das natürlich, wenn es um Problem der Durchsetzungskraft, der Sicherheit und der Ausstrahlung geht. Es ist übrigens ein Irrtum zu glauben, dass das nur weibliche Klienten betrifft. Es gibt auch genügend Männer, die von einem Embodiment -Training sehr profitieren, weil sie zum Beispiel den Wunsch haben, Selbstbewusstsein und Sicherheit auszustrahlen, was auf der verbalen Ebene vielleicht auch ganz gut klappt, ihre Körperhaltung aber etwas anderes vermittelt. Diese Inkonsistenzen zeigen sich immer, weshalb die tatsächliche Ausstrahlung eben eine andere ist als die gewünschte. Gerade das Selbstwertgefühl besitzt, neben den bewussten und unbewussten Anteilen, die darauf einwirken, eine ausgeprägte körperliche Komponente.

Der Körper besitzt eine größere Macht über unsere Gedanken und Gefühle, als wir uns das üblicherweise klarmachen. Ein Coach, der gelernt hat, wie man diese Macht beeinflussen kann, kann seinen Klienten wertvolle Unterstützung darin bieten, diese Macht zu benutzen, um sich selbst größere Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen, denn auf die geistige Leistungsfähigkeit wirkt es sich spürbar aus, wenn Körper und Geist konsistent sind.

In unserer Coaching Ausbildung halten wir das Embodiment deshalb für einen ebenso wichtigen Bestandteil wie das Vermitteln von psychologischen, kommunikativen und systemischen Grundlagen sowie darauf aufbauenden Coaching-Tools.