#Empathie ist kein Luxus

| Jasper Dehner
„Empa – was? Wir haben gerade echt andere Sorgen!“ – Nach diesem Motto scheinen sich einige Unternehmen gerade zu verhalten. Der Ton im Chat oder in der Videokonferenz ist im besten Fall sachlich, häufig jedoch eher ruppig, die Mitarbeiter beklagen einen schmerzlichen Mangel an Wertschätzung. Was dabei herauskommen kann, lesen Sie im folgenden Beitrag, sowie einen Hinweis, was stattdessen gefragt ist.

Wie viele andere auch, hätte ich im Traum nicht erwartet, was in den letzten Wochen passiert ist. Der Lockdown hat Deutschland und den Rest der Welt hart getroffen. Die Unsicherheit hat ein Ausmaß erreicht, das wir bisher so nicht kannten. In meinem jugendlichen Leichtsinn bin ich deshalb davon ausgegangen, dass in diesen schwierigen Zeiten jeder froh ist, einen festen Arbeitsplatz zu haben. Noch viel mehr, dass man ihn auf keinen Fall freiwillig verlässt. Doch die Realität sieht anders aus. Im ersten Moment dachte ich, dass es sich nur um Einzelfälle handelt. Doch nach genauerem Hinsehen beginne ich, es für einen „Trend“ zu halten.

Viele Mitarbeiter, besonders die guten, kündigen gerade ihre Jobs!!!!

Dieses Phänomen hatte ich nicht erwartet in einer Krise, wie wir sie gerade erleben. Doch es passiert! Aber warum?

Ich denke, dass viele Mitarbeiter durch den Lockdown und die Kurzarbeit zwangsläufig mehr Zeit für sich und die Familie hatten, was dazu geführt hat, mehr über die eigene Lebenssituation nachzudenken. Dabei wurden auch die vielen kleinen Unzufriedenheiten, die im Alltagsstress verdrängt und vergessen worden waren, ganz präsent. Unzufriedenheit über die Führung oder das Handeln der Firma war auf einmal deutlich spürbar. Oder man erkannte, vielleicht zur eigenen Überraschung, dass es tatsächlich ein Leben jenseits des Hamsterrads gibt. Auch nicht vorhandene, oder nicht gegebene, Entwicklungsmöglichkeiten traten plötzlich ins Bewusstsein. Die zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit gab den Freiraum, sich darüber klarzuwerden, was man wirklich will.

Erschwerend kam noch das Verhalten des Managements in der Krisenzeit hinzu, welches häufig weit entfernt von optimal war.

Viele Unternehmen und Führungskräfte waren erst in eine Schockstarre geraten, um anschließend in blinden Aktionismus zu verfallen. Dabei wurden die Mitarbeiter vergessen. In mehreren Erfahrungsberichten, die ich hörte, wurde geschildert, dass die Mitarbeiter mit ihren Ängsten und Befürchtungen allein gelassen worden waren. Es fand kaum eine positive oder wertschätzende Kommunikation statt. Im Gegenteil, der Ton wurde, wahrscheinlich durchaus ungewollt oder unbewusst, schärfer, initiiert durch Unsicherheiten und Ängste der Führungskräfte und Unternehmen selbst. Doch das führt auch zu einer Demotivation der Mitarbeiter. Am 13. Juli 2020 titelte die „SZ“ im Wirtschaftsteil „Zoff auf Distanz“. In diesem Beitrag schilderte eine Mediatorin, wie sehr sich die Kommunikation in den Firmen durch die fehlende räumliche Nähe verschlechtert hat, dass man weniger „menschlich“ miteinander umgeht, wenn man nur im Chat miteinander kommuniziert, weil der Ton zwar sachlich, aber auch wenig respektvoll und wertschätzend sei, was dazu führe, dass die Mitarbeiter peu à peu den Bezug zum Unternehmen verlieren. Gerade in schwierigen Zeiten, wenn die Unternehmen und Führungskräfte besonders auf ihre Mitarbeiter angewiesen sind, ist es jedoch der unglücklichste Zeitpunkt, den man sich vorstellen kann, falsch zu reagieren.

Denn das Ergebnis ist häufig, dass sich die Mitarbeiter aktiv nach neuen Arbeitgebern umsehen. Und viele sind auch fündig geworden. Bei einem mir bekannten Unternehmen haben in einer Niederlassung von ca. 35 Mitarbeitern fünf innerhalb weniger Wochen gekündigt.

Ganz wie die Welt um uns herum, scheinen auch viele Mitarbeiter in einer großen Umbruchsstimmung zu sein - und haben erstaunlicherweise, trotz allgemeiner Unsicherheit, doch den Mut zur Veränderung. Gute Leute werden eben jederzeit gebraucht und deshalb auch gesucht. Der Fachkräftemangel, so die Einschätzung vieler Experten, wird sich nicht verflüchtigen, der wird uns erhalten bleiben.

Für Unternehmen und Führungskräfte heißt das „Aufgepasst!!!!“

Noch ist Zeit, die Weichen neu zu stellen. Führungskräfte benötigen einen erweiterten Führungsstil. Das erfordert neue Skills und Tools. Janina Kugel, von 2015 bis Anfang 2020 im Siemens-Konzernvorstand für Personal zuständig, schrieb am 20. Juni 2020 ebenfalls in der „SZ“: „Covid 19 zwingt Unternehmen und Führungskräfte, sich mit hoher Geschwindigkeit zu verändern. Um das zu schaffen, brauchen sie Empathie und ganz neue Qualitäten.“ Diese neuen Qualitäten stellt man allerdings nicht unter Beweis, indem man es am allerwichtigsten fehlen lässt, an Wertschätzung.

Eine ehrlich gemeinte Wertschätzung, die nicht, im wortwörtlichen oder übertragenen Sinne, zwischen Tür und Angel mal so eben geäußert wird, sondern die glaubwürdig kommuniziert wird, schafft jenes Arbeitsklima, das ein Unternehmen braucht, um die Krise zu meistern. Dazu noch einmal Janina Kugel: „Wenn Mitarbeiter so radikale Veränderungen erleben wie zurzeit, bedeutet dies immer auch eine große emotionale Belastung. Empathie und Flexibilität sind jetzt dringende Führungsqualitäten…Es ist ebenfalls Führungsaufgabe, lebendige Zukunftsvisionen zu entwickeln und einen klaren Weg zum Erfolg aufzuzeigen.“ Zu diesem Thema empfehle ich auch sehr die Artikel von Alice Dehner über „Der Weg aus der Krise - Shackleton 1 bis 4“ aus den Newslettern der letzten Monate.

Gute Führung war noch nie etwas, das man einfach aus dem Ärmel schütteln konnte

Führung auf Distanz ist erst recht eine Kunst – es genügt eben nicht, zu glauben, diesen Ausnahmezustand werden wir irgendwann überwinden und dann geht es weiter wie vorher. Um wirklich gut oder gar gestärkt aus der Krise hervorzugehen, müssen Führungskräfte sich der Herausforderung stellen, sich neue Führungsqualitäten und -Tools anzueignen.

Die Unternehmen sollten jetzt aber auch ihre Organisation insgesamt genau auf den Prüfstand stellen. An welchen Stellen sollte die Organisation entwickelt werden? Welche neuen Voraussetzungen ergeben sich durch die Digitalisierung? Es empfiehlt sich immer, einen Profi mit ins Boot zu nehmen, der die nötige Unterstützung dabei liefert, „out of the box“ zu denken.

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