Ist Home-Office das Modell der Zukunft?

| Jasper Dehner
Nach vielen Wochen Lockdown merken wir alle, wie wichtig die sozialen Kontakte sind. Da wird das Einkaufen mit Maske zum Highlight der Woche. Man hofft, dass man einen Bekannten trifft, mit dem man ein paar Worte (fast) von Angesicht zu Angesicht sprechen kann. Selbstverständlich haben wir Möglichkeit, uns über Skype, Teams oder Zoom zu sehen und zu sprechen. Doch ist es etwas anderes, als wenn wir uns „live“ sehen.
Was bedeuten Erkenntnisse, dass man zwar unglaublich viel über die digitalen Medien abbilden kann, wir aber trotzdem nach menschlichen Kontakten gieren? Was bedeutet das für die Arbeitswelt?

Der Lerneffekt ist riesig, was die digitalen Möglichkeiten betrifft. Die Diskussion, ob Homeoffice, digitale Transformation oder Online-Präsenz-Trainings gangbare Wege sind, stellt sich gar nicht mehr. Wir leben sie!!! Corona sei Dank - oder auch nicht, keiner hat sich das schließlich gewünscht. Und ja, Homeoffice ist grundsätzlich möglich, stellen die Unternehmen fest und die Menschen in den Homeoffices sind nicht faul, wie die einen oder anderen befürchtet haben. Ganz im Gegenteil! Sie sind teilweise fleißiger als im Office.

Bis zu Corona waren Onlinetrainings oder Webinare von vielen nur selektiv eingesetzt worden. Durch Corona stellten viele Unternehmen fest, es geht doch. Auch Weiterentwicklungen wie das Online-Präsenz-Training machen es auf einmal möglich, so etwas wie eine Coaching-Ausbildung digital durchzuführen. Noch im November 2019 hätten viele Menschen die Meinung vertreten, dass das gar nicht geht, denn die Qualität würde darunter leiden oder man könne die Emotionalität nicht aufbauen. Doch Corona hat uns etwas anderes gelehrt – es ist nicht nur möglich, es funktioniert hervorragend! Fast wie bei einer Pendelbewegung schlugen die Argumente von zunächst hauptsächlich: „Es geht nur Face to Face“ jetzt teilweise zum anderen Extrem hin aus: „Alles digital“ machen zu wollen.

Trotzdem ist uns der persönliche Kontakt mit anderen Menschen wichtig, auf Dauer eben unersetzlich! Trotz digitaler Möglichkeiten bevorzugen wir nach wie vor die Kommunikation von Mensch zu Mensch, da wir Gestik und Mimik besser deuten können. Und wir können das Gegenüber berühren und die Ausstrahlung wahrnehmen.

Was bedeutet es für die Personalentwicklung und die Führung in der Zukunft, wenn wir feststellen, dass wir doch den persönlichen Kontakt wollen und sogar brauchen, trotz aller großartigen digitalen Möglichkeiten?  Es ist nichts mehr wie es war und wird auch nicht mehr so sein. Die Kapitel Personalentwicklung und Führung werden neu geschrieben werden müssen.

Was jetzt geschafft werden muss, ist der Spagat zwischen Digitalisierung und den sozialen Bedürfnissen nach physischem Kontakt. Unternehmen, die nur noch auf die Digitalisierung setzen, werden einen hohen Einbruch der sozialen Zufriedenheit der Mitarbeiter haben. Das darf man nicht vernachlässigen, denn der Faktor Mensch ist nach wie vor der Erfolgsträger in jedem Unternehmen. Wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, sind auch die Leistung und die Produktivität besser.

Aber natürlich dürfen die Unternehmen auch die neue digitale Welt nach Corona nicht einstampfen oder auf den „alten“ Stand zurückführen. Nur wer die richtige Mischung von physischer Präsenz und Digitalisierung hinbekommt, wird die Krise erfolgreich bewältigen.

Viele Unternehmen stoßen jetzt eine Organisationsentwicklung an. Gerade in Zeiten wie jetzt, die unsicherer nicht sein könnten, ist der richtige Moment. Die Unternehmen, die sich und ihre Mitarbeiter jetzt neu organisieren, werden die Krise deutlich besser überstehen, als die, die hoffen, dass es einfach irgendwie weitergehen wird. Wer sich nicht weiterentwickelt, bleibt nicht einfach nur stehen, er geht unter!

Organisationsentwicklung: Ein Schlüssel zum Erfolg in Krisenzeiten.