Renates Kolumne: Gute Pflege – und Ihr Tag wird schöner

| Renate Dehner
Neulich erhielt ich einen dieser freundlichen, fürsorglichen Anrufe, um die man nicht gebeten hat, die aber ganz zweifellos zum Ziel haben, das Leben zu bereichern, jedenfalls dasjenige des Anrufers. Ich wurde also überrascht mit der Nachricht, dies sei eine Information für „unsere pflegebedürftigen Mitmenschen“.
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Im fortgeschrittenen Alter nimmt die Pflegebedürftigkeit zweifellos zu, auch meine. Also ich brauche zum Beispiel viel mehr Gesichtspflege als in jüngeren Jahren, isso, hilft kein Drumrumreden. Und auch wenn man noch so tatterig wird, darf die Körperpflege keinesfalls vernachlässigt werden, selbst wenn einem die Seife aus den Händen glitscht und das Deo verrutscht. Obwohl man das mit der Seife und dem Deo auch Menschen anraten möchte, die überhaupt nicht alt sind, aber wenn sie an einem vorbeijoggen, eine Fahne hinter sich herziehen, die den traurigen Verdacht nährt, es sollte mal dringend jemand bei ihnen anrufen mit einer Information über Pflegemaßnahmen. Wie dem auch sei, als der zuvorkommende Anrufer meinte, um mich ausführlich und zu meinem Besten beraten zu können, bräuchte er zwingend meine Kontonummer, griff ich zu meinem Lieblingsmittel, um meine Begeisterung über solche Anrufe zum Ausdruck zu bringen, und sie zu ermutigen, mich weiterhin ungebeten zu informieren. Ich schrie so laut ich konnte meinen Freudenschrei in den Telefonhörer. Ich nehme an, danach waren seine Ohren pflegebedürftig. Aber Ohrenpflege ist ja auch etwas sehr Schönes und Sinnvolles.

Ich für meinen Teil liebe es, meine Ohren zu pflegen, indem ich einen französischen Klassik-Sender höre. Erstens mag ich Klassik und zweitens mag ich Französisch. Für meine Ohren gibt es nichts, was eleganter klingt. Außerdem nichts, was charmanter ist. Dass „Charme“ ein französischer Begriff ist, liegt vollkommen auf der Hand, das kann gar nicht anders sein, lässt sich auch in keine Sprache der Welt ohne Bedeutungsverlust übersetzen. Allein wie die Radiosprecher miteinander umgehen! So pfleglich, ist man geneigt zu sagen, um im Kontext zu bleiben - das ist mir noch in keinem deutschen Radiosender so zu Ohren gekommen, zum Dahinschmelzen. Und wie die Stimmen klingen, kultiviert und (hic!) gepflegt, also absolut bezaubernd.

Manchmal allerdings klingt es auch unerwartet lustig, was ich zu hören bekomme. Etwa dann, wenn die Radiosprecher überhaupt kein Problem damit haben, deutsche Komponisten-Namen auszusprechen. Jean Sebastien Bak und Wolfgon Mosár sind ja noch harmlos. Bei Christoffe Willibalde Glück wird es schon etwas abenteuerlicher und gänzlich verwegen wird es bei Didritsch Büxteüd. Noch schöner wird es eigentlich nur, wenn sie versuchen, deutsche Namen „richtig“ auszusprechen. Ich musste eine Weile grübeln, bevor ich herausfand, wer sich hinter Ügowon Ofmanschtal versteckt. Der Sprecher hatte wohl noch im Hinterkopf, dass im Deutschen s und t zu scht zusammengezogen werden – eine löbliche Erinnerung an den Deutschunterricht. Nur dass es halt auch bei uns zu jeder Regel eine Ausnahme gibt.

Aber was soll’s, es klingt immer noch alles besser, als wenn bei uns alles gnadenlos anglisiert wird, ob es passt oder nicht. Wenn zum Beispiel eine Nachrichtensprecherin im Fernsehen von einem Internationalen Go-Turnier spricht, und dabei das altehrwürdige japanische Brettspiel wie das englische Verb to go-ausspricht, oder, was ich auch schon gehört habe, aus dem guten alten Paul Hindemith ein „Hindemiff“ wird, dem Ti Eidsch muss schließlich, koste es, was es wolle, Rechnung getragen werden. Da ist mir Bätow immer noch lieber. Nur dass Mahler immer wie „Malheur“ klingt, das hat er nicht verdient, der Gustav. Ein Malheur war sicherlich, dass er die grässliche Alma geheiratet hat, aber seine Musik war es doch nicht. Deshalb wird sie auch heute noch gepflegt, vom Mahler Chamber Orchestra zum Beispiel…sitzt übrigens in Berlin…